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Studienaufenhalt San Francisco 2012



Im August 2012 brach ich zu einem 3-Monatigen Studienaufenhalt nach San Francisco auf. Im Zentrum der Stadt hatte ich für die Dauer meines Aufenthaltes ein Atelier untergemietet. Das Atelier befand sich in einem grossen Atelierhaus mit ca. 40 Künstlern, in der Mission Street, die Strasse selbst gehört nicht zur besten Gegend der Stadt. Direkt vor dem Atelier leben extrem viele Obdachlose. So einen Bild ist man von Deutschland einfach nicht gewöhnt und die täglichen Begegnungen nahmen mich ganz schön mit. Die Künstlerin, die mir das Atelier untervermietete versicherte mir, das die Gegend ungefährlich sei und schon in der nächsten Strasse sähe alles ganz anders aus. Das bewahrheitete sich. Eine Strasse weiter gab es viele kleine Restaurants und kleine besonders inhabergeführte Geschäfte und Bars. Dieses Prinzip spiegelt sich in der ganzen Stadt wieder. San Francisco hat wahnsinnig viele Facetten. Hier ein paar Fotos von meinem Aufenthalt:

    

Angekommen stellte ich mir die ersten Tage die Frage, wie ich künstlerisch arbeiten wollte. Meine Idee war es mich einfach ganz unvoreingenommen auf die Stadt einzulassen und mich inspirieren zu lassen. Ich wollte nicht einfach weiterarbeiten wie bisher, sondern die Chance nutzen, um noch einmal neu anzufangen, neue Themen zu finden oder gar mit einer ganz anderen Technik zu arbeiten. Doch so ein Neuanfang ist nicht leicht. Zunächst dachte ich daran sozialkritische Fragen zu stellen, doch ich fühlte, das ich als Fremde nicht das Recht hätte etwas zu kritisieren. So verwarf ich diese Idee sehr schnell wieder.

Ich begann die Stadt zu erkunden und besuchte natürlich auch sämtliche Sehenswürdigkeiten. Doch es wollte sich einfach nicht das Bedürfnis einstellen, diese schon millionenfach fotografierten Gebäude und Stätten selber auch noch einmal festzuhalten. Statt dessen fiel mir auf, das wie sich Touristenmassen in Trauben davor sammelten und versuchten, die besten Blickwinkel mit ihren Kameras und Handys zu finden. Manche kletterten auf Zäune oder stellten sich auf die Mitte der Strasse. Plötzlich kam mir die Idee, das all diese Menschen auch ein Teil der Stadt waren und das ich, wenn ich die Sehenswürdigkeiten fotografieren wollte, all dies mit festhalten musste... So entstand meine erste künstlerische Arbeit:



Schnell stellte sich das Bedürfnis ein wieder zu malen und ich besorgte mir das nötige Material. Bei der Frage der Motivwahl hatte ich ebenfalls das Gefühl, zu sehr fremd und aussenstehend zu sein, um mich mit den Menschen zu befassen, so wählte ich nach Jahren der Auseinandersetzung mit dem menschlichen Körper, erstmals Architektur, sprich Gebäude und Strassenzüge als Motiv. Im Rückblick musste ich feststellen, das diese Arbeiten, obwohl ich keine Körpersprache oder Mimik einsetzen kann, sehr viel direkter sind und tiefer gehen können.



Eine weitere Arbeit, die ich in San Francisco begann, sind die REALITY PRINTS. Zunächst suchte ich ganz praktisch eine Antwort auf die Frage, wie sich eine Erinnerung festhalten lässt. Ich wollte keine Foto vor Sehenswürdigkeiten machen oder sinnlose Souvenirs kaufen.
Schnell führte es zu Fragen wie: Was ist eine Erinnerung überhaupt, wie funktioniert sie und woran macht sie sich fest? Ich bin der Meinung, jedes Ereignis ist immer auch mit dem Ort verbunden, an dem es passiert. So gehört die ganze Atmosphäre des Ortes zur Erinnerung, der Geruch, die Geräusche, die Gebäude oder die Landschaft,... . Es geht nicht um diesen einen kurzen Moment, in dem man den Auslöser drückt. Vielleicht manchmal, aber meistens ist es ein längerer Zeitraum, vielleicht passieren mehrere Dinge parallel...
Die Einzige Möglichkeit eine Erinnerung wirklich festzuhalten ist es den Ort festzuhalten mit dem die Erinnerung verknüpft ist. So begann ich Orte zu sammeln...
Zurück in Deutschland kam ein weiterer Aspekt hinzu. Ich stellte fest, das es Orte gibt, mit denen ich schlechte oder besonders traurige Erinnerungen verbinde, sobald ich diese Orte aufsuchte stellten sich starke negative Gefühle ein. Ich lernte, das Erinnerungen verarbeiten bedeutet Orte nicht zu meiden sondern stattdessen umzuwerten und mit neuen positiven Erinnerungen und Gefühlen zu verknüpfen. Diese Erfahrungen flossen wiederum in die Arbeit REALITY PRINTS ein. Mir wurde bewusst, das die PRINTS nicht nur Brücken zu einem bestimmten Ort waren. Je nachdem, wie ich sie sehen will, können Sie auch einfach nur Oberfläche sein. In dem Fall kann ich mit ihnen spielen, sie zu neuen Mustern arrangieren und ihnen neue Bedeutung verleihen.
In meiner neuesten Arbeit habe ich die REALITY PRINTS mit Magneten versehen, die mir ein ein freies Spiel ermöglichen.